Schulgeschichte

Von der Realschule zum Schiller-Gymnasium

1. Gründung 1871 und Entwicklung bis zur Oberrealschule 1912

Wer unser Haus A betritt und durch das Trep­pen­haus in die Aula gelangt, ist über­wäl­tigt von der Schön­heit des Gebäu­des und kann  den Atem der Geschich­te förm­lich spü­ren. Vor der fei­er­li­chen Ein­wei­hung des Gebäu­des am 26. 9. 1901 lie­gen aber schon 30 Jah­re Schul­ge­schich­te.

Die Baut­zener Bür­ger for­der­ten für ihre Kin­der eine Schul­form, die den rea­len Bedürf­nis­sen der Indus­tria­li­sie­rung ange­passt war, also moder­ne Fremd­spra­chen und Natur­wis­sen­schaf­ten lehr­te. Das alt­ehr­wür­di­ge Gym­na­si­um erfüll­te dies nicht, so dass nach 3jährigen Kampf der Bür­ger am 12. Janu­ar 1871 erlaub­te das säch­si­sche Kul­tus­mi­nis­te­ri­um der Baut­zener Stadt­ver­wal­tung die Errich­tung einer Real­schu­le II. Ord­nung erlaub­te. In der Kna­ben­bür­ger­schu­le (muss­te dem Korn­markt­cen­ter wei­chen) und spä­ter in der Bür­ger­schu­le am But­ter­markt waren die Klas­sen unter­ge­bracht. Im Jahr 1884 erhielt die Schu­le den Rang einer Real­schu­le I. Ord­nung mit 6 Klas­sen­stu­fen, die „tüch­ti­ge Män­ner für Han­del, Gewer­be und Indus­trie“ aus­bil­de­te. Aber die Errich­tung eines neu­en Real­schul­ge­bäu­des wur­de immer dring­li­cher.

Am 30. Mai 1900 erfolg­te schließ­lich die Grund­stein­le­gung auf einem eigens erwor­be­nen Gelän­de süd­lich der äuße­ren Stadt­mau­er. In das neu­go­ti­sche Schul­ge­bäu­de zogen 235 Schü­ler und 14 Leh­rer ein, bereits Ostern 1905 lief die Schu­le zwei­zü­gig.

Nun ging es um den Aus­bau der Real­schu­le zur Ober­re­al­schu­le, d.h. Ober­se­kun­da und Ober­pri­ma wur­den ange­han­gen, so dass 1913 erst­mals 30 Ober­pri­ma­ner die Rei­fe­prü­fun­gen bestan­den haben. Unse­re Schu­le war damit den Gym­na­si­en gleich­ge­stellt, die Absol­ven­ten konn­ten an Höhe­ren Fach­schu­len und in eini­gen Stu­di­en­rich­tun­gen auch an Uni­ver­si­tä­ten stu­die­ren. 1911 wur­den erst­mals 7 Mäd­chen auf­ge­nom­men, 1913 aller­dings eine eige­ne Höhe­re Mäd­chen­schu­le ein­ge­rich­tet.

1913 bis 1933

Vor allem in den ers­ten Kriegs­jah­ren wur­den Sie­ges­fei­ern und soge­nann­te Kriegs­stun­den in der Aula abge­hal­ten. Die­se waren dazu da, den Schü­lern die „gro­ßen Ereig­nis­se“ näher zu brin­gen. Zum Pro­gramm einer sol­chen Kriegs­stun­de gehör­ten der Bericht über die letz­ten Kriegs­er­eig­nis­se, Gesang und Vor­trag von vater­län­di­schen Gedich­ten und Lie­dern, kur­ze Berich­te über die sich an der Front befin­den­den Schü­ler und Leh­rer und das Ver­le­sen bemer­kens­wer­ter Feldpostbriefe.So spen­de­te zum Bei­spiel die Leh­rer­schaft einen bestimm­ten Pro­zent­satz ihres Gehal­tes für Kriegs­zwe­cke. Die älte­ren Schü­ler arbei­te­ten in der Land­wirt­schaft, im Kriegs­ge­mü­se­gar­ten und bei der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr. Vie­le enga­gier­ten sich auch im Vater­län­di­schen Hilfs­dienst und führ­ten in die­sem Rah­men Haus- und Stra­ßen­samm­lun­gen durch. Aber auch in der Schu­le betei­lig­te man sich an diver­sen Samm­lun­gen. Gesam­melt wur­den zum Bei­spiel Roh­stof­fe wie Papier, Kup­fer, Gold und Mes­sing und bei ver­schie­de­nen Reichs­buch­wo­chen auch Bücher. Für die Kriegs­an­lei­he wur­de gewor­ben und vie­le Schü­ler spen­de­ten ihr Erspar­tes. Der Schul­chor und die Musi­ka­li­sche Ver­ei­ni­gung der Ober­re­al-schü­ler ver­an­stal­te­ten meh­re­re Auf­füh­run­gen zuguns­ten der Kriegs­für­sor­ge.

Je län­ger der Krieg dau­er­te, des­to schwie­ri­ger wur­den die Lern­be­din­gun­gen. Leh­rer­man­gel, Ern­te­ar­beit, Koh­le­man­gel, Erkran­kun­gen an Grip­pe, über­füll­te Klas­sen, der schlech­te Ernäh­rungs­zu­stand der Schü­ler und die Bele­gung der Schu­le mit Mili­tär vom 22.11.bis Ende Dezem­ber 1918 führ­ten zu Unter­richts­aus­fall oder hat­ten nega­ti­ven Ein­fluss auf des­sen Qua­li­tät.

Im Mai 1921 wur­de das 50jährige Schul­ju­bi­lä­um began­gen­trotz der schwie­ri­gen Zei­ten­zu Beginn der Wei­ma­rer Repu­blik. Die Ein­wei­hung der Gedenk­ta­fel am Ein­gang des Hau­ses A zeugt von den vie­len Opfern die der Ers­te Welt­krieg unter Schü­lern und Leh­rern der Ober­re­al­schu­le­ge­for­dert hat­te.

Die Gedenk­kul­tur ver­schob sich von den Geburts­ta­gen der Mon­ar­chen hin zur Ver­fas­sungs­fei­er im August und zumin­dest 1925 gab es im März eine Gedenk­fei­er zum Tode Fried­rich Eberts.

Anläß­lich des Jubi­lä­ums beschloss der Stadt­rat beschloss, Abitu­ri­en­ten, denen in Wis­sen­schaf­ten und Sit­ten die Note 1 ver­lie­hen wur­de, eine Rats­prä­mie in Form einer sil­ber­nen Medail­le zu ver­lei­hen.

Die 20er Jah­re waren von einer Rei­he von Reform­be­stre­bun­gen gekenn­zeich­net, „die Lust am Refor­mie­ren auf dem Gebie­te des Schul­we­sens wuchs fast ins Krank­haf­te“, so Ober­stu­di­en­di­rek­tor Dr. Kle­ber in sei­ner Antritts­re­de als neu­er Schul­lei­ter 1924 (Jah­res­be­richt 1916–26). Posi­tiv emp­fun­den wur­de die For­de­rung nach leben­di­gem Unter­richt, vom Lern- zum Arbeits­un­ter­richt. Die staats­bür­ger­li­che Erzie­hung soll­te ver­stärkt wer­den, die Schu­le wur­de als Staat im Klei­nen betrach­tet. Die natio­na­le Erzie­hung soll­te Klas­sen­ge­gen­sät­ze über­brü­cken hel­fen und dem deut­schen Wie­der­auf­stieg die­nen.

Nun gab es einen Eltern­rat und es wur­den regel­mä­ßig Eltern­aben­de abge­hal­ten. Es wur­den ein Leh­rer­aus­schuss gegrün­det und Stu­dier­ta­ge für die Ober­stu­fe ein­ge­führt.

Die Tra­di­ti­on regel­mä­ßi­ger Wan­der­ta­ge bzw. Wan­der­fahr­ten bei Zusam­men­le­gung der bei­den Wan­der­ta­ge vor einem Wochen­en­de wur­de fort­ge­führt. Wan­der­zie­le lagen im Lau­sit­zer Berg­land, dem Erz-und Elb­sand­stein­ge­bir­ge, Rie­sen-und Iser­ge­bir­ge.  Es gab auch Feri­en­wan­de­run­gen im Som­mer und Herbst mit Ober­leh­rer Frit­sche, bei denen es in die Alpen ging. Die Mäd­chen weil­ten am Rhein zum Stu­di­um roma­ni­scher und goti­scher Bau­ten.

Nach den Anwei­sun­gen der Denk­schrift „Zur  Neu­ord­nung des höhe­ren Schul­we­sens in Sach­sen“ wur­de seit Ostern 1927 die Stun­den­ver­tei­lung der Klas­sen 6, 5 und 4a umge­stal­tet. Kurz­schrift, Tri­go­no­me­trie, Latein, Zeich­nen und phy­si­ka­li­sche, che­mi­sche und bio­lo­gi­sche Schü­ler­übun­gen muss­ten Wahl­fä­cher blei­ben und  Musik ganz weg­fal­len, damit die bis dahin gel­ten­de Pflicht­stun­den­zahl von 34 in der Woche bei­be­hal­ten wer­den konn­te.

Eine Viel­zahl von Ver­ei­nen ent­stand im Sin­ne unse­rer heu­ti­gen AG´s, dar­un­ter die von Stu­di­en­as­ses­sor Franz gegrün­de­te Schul­stern­war­te.

Eine ganz wesent­li­che Ver­än­de­rung tech­ni­scher Art war 1925 der Ersatz der Gas­be­leuch­tung durch elek­tri­sches Licht zunächst im 2.Geschoss und bis 1928 in der gesam­ten Schu­le. Im Herbst 1928 wur­de die gesam­te Klo­sett­an­la­ge erneu­ert.

Kon­rek­tor Ober­stu­di­en­rat Prof. Rau , Höhe­re Mäd­chen­schu­le zu Baut­zen, Jah­res­be­richt über das Schul­jahr 1927/28  

Fah­nen­bil­der

Leh­rer­kol­le­gi­um, unda­tiert, Schul­ar­chiv

1933 bis 1945

In der ers­ten Schul­wo­che nach 1933 stif­te­te die Schü­ler­schaft ein Füh­rer­bild­nis für den Schul­saal, an zwei neu­en Fah­nen­mas­ten weh­ten Haken­kreuz­flag­gen, spä­ter eine HJ-Flag­ge. Die Unter­richts­stun­den began­nen und ende­ten mit dem Hit­ler-Gruß. Die Schü­ler betei­lig­ten sich bei Auf­mär­schen und Kund­ge­bun­gen, besuch­ten Bau­ern­hö­fe zum Ern­te­dank­fest. Die Schul­fei­ern ver­lo­ren ihren huma­nis­tisch-reli­giö­sen Cha­rak­ter und wur­den im Sin­ne der völ­ki­schen Ideo­lo­gie geprägt.

Eine wei­te­re Maß­nah­me zur Unter­brei­tung der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie war die Pflicht­teil­nah­me für Beam­te an Fort­bil­dungs­kur­sen. Begrün­dung hier­für war, dass

Beam­te (…) im natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Staa­te kein poli­ti­sches Son­der­da­sein, abge­schlos­sen in ihren Amts­stu­ben füh­ren (dür­fen),

son­dern (…) im Vol­ke ste­hen (müs­sen), mit ihm füh­len und ihr per­sön­li­ches und dienst­li­ches Den­ken und Tun immer wie­der nach der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Welt­an­schau­ung und ihren Begrif­fen von Volk und Staat aus­rich­ten (müs­sen).”

(Stadt­ar­chiv Baut­zen,  IV III B. b. 258)

 Vom Umgang mit jüdi­schen Schü­lern berich­tet Gün­ter Alt­mann (*1924) in sei­nen Erin­ne­run­gen, die er  am 11. Mai 2008 wäh­rend eines Besuchs in Baut­zen notier­te.

…Ich woll­te schon seit je her Inge­nieur wer­den, sodass ich dann zur Ober­re­al­schu­le (das jet­zi­ge Schil­ler-Gym­na­si­um) kam.  … Also, zurück zu Baut­zen in der Nazi-Zeit. Es war Frei­tag, der 25. Novem­ber 1935, und ich trat aus der Schu­le um heim­zu­ge­hen. Als ich einen HJ-Trupp vor der Schu­le mit Stö­cken und Bal­ken auf­fand, brauch­te ich weni­ger als eine Sekun­de, los­zu­sau­sen, wie einer von denen brüll­te, „los auf den Sau­ju­den!“.  Zum Glück hat­te mich der Stür­mer ein paar Tage vor­her gewarnt, dass alle Juden aus allen höhe­ren Schu­len in kur­zer Zeit her­aus­ge­schmis­sen wer­den. So kam ich heil aus die­ser Sache her­aus. Sechs Wochen spä­ter war ich in Sicher­heit und Frei­heit, in einem Schwei­zer Inter­nat bis zu mei­ner Aus­wan­de­rung nach USA 1940.

Viel­leicht soll ich den Minia­tur-Nazis dank­bar sein, dass sie mich aus der deut­schen Schu­le her­aus­ge­jagt haben. Dadurch ver­mied ich das furcht­ba­re Reichs­po­grom am 9. Novem­ber 1938, und auch die Ernied­ri­gun­gen, die z.B. Isi­dor Nus­sen­baum und mein Bru­der Die­ter (jetzt Donald) in ihren Schu­len aus­ste­hen muss­ten. Spä­ter sag­te mir jemand, dass die Baut­zener Nazi-Bon­zen mei­ne Aus­trei­bung von der Schu­le ver­langt hat­ten, aber dass die Lei­tung der Schu­le es als grund­los ver­wei­ger­te. Des­halb griff man zu die­sem HJ „Emp­fangs-Komi­tee“.“

Den­noch ist in vie­len Zeit­zeu­gen­ge­sprä­chen erklärt wor­den, dass dank eini­ger auf­rich­ti­ger, muti­ger Leh­rer libe­ra­le und huma­nis­ti­sche Wer­te wei­ter­hin ver­mit­telt wor­den sind.

Ober­re­al­schü­ler bei der Auto­bahn­ein­wei­hung 1938?, pri­vat Hans Fischer, Tor­gau

1937 wur­de die Schul­zeit per Gesetz  auf 8 Jah­re ver­kürzt und die Bezeich­nung „Ober­schu­le für Jun­gen und Mäd­chen“ ein­ge­führt. Im Som­mer 1938 wur­de die Ober­re­al­schu­le zur Wil­helm von Polenz-Schu­le umbe­nannt. Polenz stammt aus einem alten säch­si­schen Adels­ge­schlecht (Rit­ter­gut Ober­cu­ne­wal­de), war Jurist und Schrift­stel­ler. 1941 wur­de der   Schul­jah­res­be­ginn­von Ostern auf Sep­tem­ber ver­legt.

Der Aus­bruch des Krie­ges brach­te dras­ti­sche Ände­run­gen im Schul­all­tag mit sich.

Vie­le jun­ge Leh­rer wur­den ein­ge­zo­gen, sodass die übrig­ge­blie­be­nen Leh­rer größ­ten­teils rei­fe­ren Alters waren. Von zwan­zig wis­sen­schaft­li­chen Leh­rern waren 1941 elf ganz oder einen gro­ßen Teil des Jah­res aus dem Dienst aus­ge­schie­den, sie­ben zur Wehr­macht ein­ge­setzt, drei an ande­ren Schu­len zur Aus­hil­fe ein­ge­setzt. Zudem kamen Schü­ler aus Bre­men und Ber­lin an die Schu­le, um den Bom­bar­die­run­gen ihrer Hei­mat­städ­te zu ent­ge­hen sowie vie­le Flücht­lings­kin­der, was zur Über­fül­lung der Klas­sen führ­te.

Die Schü­ler wur­den 1942 zum vier­mo­na­ti­gen Ern­te­ein­satz ein­ge­zo­gen, Schü­le­rin­nen Muni­ti­on in Königs­war­tha sor­tie­ren. Zudem wur­den die höhe­ren Klas­sen zum Arbeits­dienst in die Nähe von Bres­lau, 100 km von der Ost­front ent­fernt, ein­ge­teilt. Abends erhiel­ten sie  Polit­un­ter­richt. Gesprä­che mit den sich eben­falls dort befind­li­chen Zwangs­ar­bei­tern waren unter­sagt. Schü­ler der höhe­ren Klas­sen wur­den ab 1943 zur Wehr­macht oder zum Reichs­ar­beits­dienst bzw. Sani­täts­dienst ein­be­ru­fen. Mit fort­schrei­ten­der Kriegs­dau­er wur­de es immer schwie­ri­ger, den Schul­be­trieb auf­recht­zu­er­hal­ten. Leh­rer wur­den zur Wehr­macht ein­be­ru­fen, Schü­ler der 8. Klas­se (Jahr­gang 1926/1927)  muss­ten als Luft­waf­fen­hel­fer agie­ren.

Ab dem 15. Febru­ar 1945 gab es kei­nen Unter­richt mehr, bis Sep­tem­ber wur­de das Gebäu­de als Laza­rett, zur  Unter­brin­gung von rus­si­schen Sol­da­ten, Flücht­lin­gen u.ä. genutzt. Bis auf zer­bors­te­ne Fens­ter blieb die Schu­le unver­sehrt.

Nachkriegszeit bis 1989

Zu Beginn des Schul­jah­res 1947/48 wur­de unter Kreis­schul­rat Flös­sel die Wil­helm-von-Polenz-Schu­le mit der staat­li­chen Ober­schu­le (heu­ti­ges PMG) ver­ei­nigt und die Schü­ler nach 8jähriger gemein­sa­mer Grund­schul­zeit erst ab Kl. 9 auf­ge­nom­men. Die Schü­ler soll­ten einen neu­en Namen wäh­len. Das Ergeb­nis der Wahl war jedoch ein ande­res als das erwar­te­te: 230x wur­de für Fried­rich Schil­ler, 57x für Wil­helm von Polenz, 55x  für Goe­the und 40x für Ger­hard Haupt­mann gestimmt.

Schü­ler­müt­zen, Schul­ar­chiv
WP = Wil­helm v. Polenz
FS =  Fried­rich Schil­ler

Zäh­ne­knir­schend muss­te man das Ergeb­nis für gül­tig aner­ken­nen. Inter­es­sant ist hier, dass  man  im  Stadt­rat  dar­auf  bestand,  dass  die  Schu­le  Fried­rich–  Schil­ler-,  nicht  aber  Fried­rich-von-Schil­ler-

Schu­le hei­ßen durf­te. Am 21. April 1948 beschloss der Stadt­rat die Umbe­nen­nung. Zu Beginn des Schul­jah­res 1949/50 wur­de Direk­tor Hen­ze durch den neu­en Direk­tor Weigel abge­löst.

 Zu Beginn des Schul­jah­res 1949/50 wur­den die bis dahin frei gewähl­ten Klas­sen- und Schü­ler­rä­te abge­schafft und die Ver­tre­tung der Schü­ler­schaft durch die FDJ über­nom­men.

Bespit­ze­lung und Denun­zia­ti­on wur­den all­täg­lich. Per­sön­li­che Gesprä­che mit  dem  Direk­tor,  Ver­wei­ge­rung  der  Zulas­sung  zum  Abitur  und  Schul­ent­las­sun­gen  waren  Mög­lich­kei­ten  um gegen nicht kon­for­me Schü­ler vor­zu­ge­hen. Beson­ders christ­li­che Schü­ler hat­ten es schwer, denn Athe­is­mus war Staats­dok­trin.

Über die Aus­wir­kun­gen der sozia­lis­ti­schen Ide­en im Unter­richt schreibt Gün­ther Kieß­ling:

Im stramm aus­ge­rich­te­ten Unter­richt muss­te der ver­mit­tel­te Lehr­stoff lini­en­treu nach­ge­be­tet wer­den, oft­mals bis zur Lächer­lich­keit. Frag­te der Direk­tor: „Die Sowjet­uni­on baut 10000 Mäh­dre­scher. Was sagt mir das?“ Die rich­ti­ge Ant­wort lau­te­te: „Die Sowjet­uni­on ist für den Frie­den.“

(Gün­ther  Kieß­ling,  Vor­trag  über  Gleich­schal­tung  und Wider­stand  an  der  Fried­rich-Schil­ler-Schu­le  Baut­zen 1945 bis 1950, Sei­te 6)

 Druck erzeugt Gegen­druck und so ent­wi­ckel­te sich vor allem bei den älte­ren Schü­lern Unmut und Wider­stand gegen die Repres­sio­nen.

Im Okto­ber 1950 fand das 1.Sorbentreffen statt, zu dem auch Wil­helm Pieck ein­ge­la­den war. Am Haupt­ein­gang prang­te ein rie­si­ges Bild von ihm, wel­ches in der Nacht in Flam­men auf­ging, wäh­rend im Schul­ge­bäu­de Zet­tel mit einem „F“ (Frei­heit) ver­teilt wur­den durch die Wider­stands­grup­pe um den Leh­rer Bru­no Sul­la. Er wur­de ver­haf­tet und kam unter unge­klär­ten Umstän­den am 17. Okto­ber in der Haft zu Tode. Seit 2006 erin­nert eine Gedenk­ta­fel im Foy­er der Schu­le an Bru­no Sul­la und Eli­sa­beth Leit­holdt, einer libe­ra­len Leh­re­rin, die aus o.g. Grün­den nach einem Tri­bu­nal in der Kro­ne, zu dem die Schü­ler und Leh­rer gezwun­gen wur­den, aus dem Schul­dienst ent­las­sen wur­de.

Die Trau­er­re­de, die Direk­tor Weigel nach dem Tod Sta­lins im März 1953 hielt, sorg­te für gro­ßes Auf­se­hen, denn er ver­glich in sei­ner pathe­ti­schen Rede Sta­lin mit dem eben­falls soeben ver­stor­be­nen Rocke­fel­ler, bzw. mit Micha­el Kohl­haas, die Anga­ben dazu sind unter­schied­lich.  Schon am nächs­ten Tag wur­de Weigel frist­los ent­las­sen.

An der Schil­ler­schu­le hat­te man sich spä­tes­tens ab 1955 mit den poli­ti­schen Ver­hält­nis­sen arran­giert. Zur Beru­hi­gung der Situa­ti­on trug wohl auch der etwas gemä­ßig­te­re Kurs des neu­en Direk­tors Herrn Bau­er bei.  Den­noch ver­las­sen in den 50er Jah­ren z.T. bis 1/3 der Abitu­ri­en­ten die Schu­le nach West­ber­lin bzw. die BRD.

Zu Beginn der 50er Jah­re wur­de im ehe­ma­li­gen Gast­haus „Zum hal­ben Mond“ auf der Äuße­ren Lau­en­stra­ße das Inter­nat unter Lei­tung von Frau Sauer­teig eröff­net.

Schil­ler­lied

1953 grün­de­te Hel­ga Becker (verh. Schwarz)den gemisch­ten Schul­chor, orga­ni­sier­te legen­dä­re Chor­fahr­ten und Kon­zer­te („Judas Mac­ca­bä­us“).

1956 zog die Schul­stern­war­te aus dem Dach­bo­den Haus A, Ver­le­gung in das heu­ti­ge heu­ti­ge sor­bi­sche Schul­zen­trum auf der Flinz­stra­ße.

1965 wur­den mit der Ein­füh­rung der POS (Poly­tech­ni­schen Ober­schu­le) auch  die Ober­schu­len zu Erwei­ter­ten Ober­schu­len, also „Erwei­ter­te Ober­schu­le Fried­rich Schil­ler“ (EOS). Der Unter­richts­tag in der Pro­duk­ti­on “UTP“) ein­mal pro Woche wur­de obli­ga­to­risch, die das Abitur beglei­ten­de Berufs­aus­bil­dung 1970 wie­der abge­schafft. Dafür gab es von 1978–89 Wehr­un­ter­richt als obli­ga­to­ri­sches, unbe­no­te­tes Unter­richts­fach für die Schü­ler der 9. und 10. Klas­sen. Ende der 10. Klas­se muss­ten die Jun­gen ins GST-Lager, die Mäd­chen ins ZV-Lager.

GST-Lager
(Gesell­schaft für Sport und Tech­nik)

1968 -77 in Schir­gis­wal­de
1978 in Tam­bach-Dietharz
1979 -1986 in Schir­gis­wal­de

ZV – Aus­bil­dung (Zivil­ver­tei­di­gung) für die Mäd­chen wäh­rend der ers­ten 3 Feri­en­wo­chen

1979 wird Direk­tor Schnei­der wird von Herrn Gert-Rai­ner Mich­alk abge­löst. Ab dem Schul­jahr 1983/84 wur­den die Schü­ler erst ab Klas­se 11 an die EOS auf­ge­nom­men, wodurch sich die Schü­ler­zahl hal­bier­te und weni­ger Leh­rer benö­tigt wur­den. Die Schü­ler erhal­ten 100 (in der 11. Klas­se) bzw. 150 Mark (in der 12. Klas­se) monat­lich, um ihre finan­zi­el­le Situa­ti­on an die der Lehr­lin­ge anzu­glei­chen.

1986 gab es den ers­ten Com­pu­ter („Com­mo­do­re C64“) an der Schu­le, ab Herbst 1988 erst­mals obli­ga­to­ri­schen Infor­ma­tik­un­ter­richt ohne Zen­su­ren bei Herrn Dr. Erhardt in Erpro­bung.
1988

Von der Friedlichen Revolution bis zur Gegenwart

Die schritt­wei­se  Abschaf­fung des Unter­richts am Sonn­abend (ab Novem­ber 1989  nur noch aller 14 Tage) war der Auf­takt für einen tief­grei­fen­den struk­tu­rel­len und inhalt­li­chen Wan­del. Nach einer Aus­schrei­bung aller Direk­to­ren­stel­len im Früh­jahr 1990 wur­de Gerd Rai­ner Mich­alk durch Herrn Dr. Ehr­hardt (Mathe-, Phy­sik- und Infor­ma­tik­leh­rer) abge­löst,  Herr Hörenz bis 93/94 sein Stell­ver­tre­ter. Frei gewähl­te Schü­ler­rä­te neh­men ihre Arbeit auf, die  „SchaZ“ (Schil­lers all­ge­mei­ne Zei­tung) wird gegrün­det und 1991 fin­det die ers­te Super-Par­ty statt, orga­ni­siert von Peter Zim­mer­mann und Tho­mas Fren­zel.

1992 wird in Sach­sen das drei­glied­ri­ge Schul­sys­tem ein­ge­führt, so dass das „Schil­ler-Gym­na­si­um“ mit den 8 Klas­sen­stu­fen ent­steht. Schon zuvor wer­den Vor­be­rei­tungs­klas­sen auf­ge­nom­men, die Schü­ler­zahl wächst und mit ihr der Raum­be­darf, so dass das Gebäu­de der ehe­ma­li­gen Dies­ter­weg-POS  an das Schil­ler-Gym­na­si­um ange­glie­dert wird – heu­te das Haus B. Im Gebäu­de der ehe­ma­li­gen Dies­ter­weg­schu­le wer­den ca. 900 Schü­ler der Klas­sen­stu­fen 5–10 unter­rich­tet, im Gebäu­de der ehe­ma­li­gen EOS wer­den ca.300 Schü­ler der Sekun­dar­stu­fe II beschult.

Um poli­tisch untrag­ba­re Leh­rer zu ent­fer­nen, hat­ten Eltern die Mög­lich­keit ihre Beden­ken schrift­lich und anonym dem SMK über den Schul­lei­ter mit­zu­tei­len; eini­gen Leh­rer wur­den gekün­digt, ande­re gin­gen frei­wil­lig. Der „Wehr­un­ter­richt“ fiel ersatz­los weg, „Staats­bür­ger­kun­de“ wur­de durch „Gesellschaftskunde/ Gemein­schafts­kun­de“ ersetzt und in allen Fächern wur­den neue Lehr­plä­ne gül­tig, für die neue Schul­bü­cher benö­tigt wur­den.

1994  erfolg­te ein Schul­trä­ger­wech­sel vom Land­kreis Baut­zen zur Stadt Baut­zen. Der deso­la­te Bau­zu­stand in bei­den Häu­sern wur­de mit einem unvor­stell­ba­ren Auf­wand bis 2004 voll­zo­gen.

Die Luther­schu­le war Aus­weich­quar­tier bei der Sanie­rung des Hau­ses B, beim Haus A die But­ter­markt­schu­le und das Ein­stein-Gym­na­si­um, wel­ches mit dem Schil­ler-Gym­na­si­um fusio­nier­te.

Bau­maß­nah­menSanie­rungs­zeit­raum Kos­ten
Sanie­rung von Sani­tär­an­la­gen & der Essen­aus­ga­be14.02.94 — 31.05.94264.337.90€
Dach­sa­nie­rung des Gym­na­si­ums14.03.94 — 28.10.94557.308.15€
Ein­bau von Fach­ka­bi­net­ten im Ober­ge­schoss des Schil­ler-Gym­na­si­ums Haus B21.07.94 — 09.12.94141.116.56€
Sanie­rung und Erwei­te­rung des Spei­se­raums im Kel­ler­ge­schoss Haus B13.03.95 — 28.07.95446.357.81€
Sanie­rung der Turn­hal­le Haus B und Toi­let­ten­an­la­ge im Schil­ler-Gym­na­si­um Haus B07.09.95 — 29.12.95540.435.52€
Ein­bau einer Heiz­ver­tei­lung im Schil­ler-Gym­na­si­um Haus A16.07.96 — 05.09.961889.734.79€
Sanie­rung der Unter­richts­räu­me & Flu­re im Haus B, 1. Bau­ab­schnitt17.07.97 — 05.02.98 437.154.56€
Sanie­rung der Unter­richts­räu­me & Flu­re im Haus B, 2. Bau­ab­schnitt16.02.98 — 17.07.9871.580.86€ (anteil­mä­ßig)
Fas­sa­den­sa­nie­rung Haus B kom­plettJuni-Novem­ber 99629.486.71€
Toi­let­ten- und Turn­hal­len­sa­nie­rung Haus AJuli-Dezem­ber 99566.009.32€
Zwecker­wei­te­rung Haus A (Fens­ter­ein­bau auf der Ost­sei­te)August-Okto­ber 2000116.297.94€
Zwecker­wei­te­rung Haus B (Außen­ein­gän­ge zur Tzschirn­er­stra­ße)Okto­ber 2000 bis Febru­ar 200176.001.49€

Gesamt­kos­ten bis Juni 2001 13.981.130 DM ent­spricht:  7.148.438€  
Sanie­rung der Unter­richts­räu­me & Flu­re im Haus B, Ost­flü­gelJuni 2000 bis Juni 20011380.488.08€
Sanie­rung Haus A innen kom­plett ein­schließ­lich der Fas­sa­deJuli 2002 bis Okto­ber 2003ca.4.100.000€
Reno­vie­rung der Trep­pen­häu­ser und Ein­bau der Behin­der­ten­auf­zü­ge bzw. räum­li­che Anpas­sung Haus A/ B + Fluch­weg­trep­pen­tür­meMärz 2004 bis Juni 2004720.000€
Außen­an­la­gen im gesam­ten Schul­kom­plex ein­schließ­lich der Ein­frie­dungApril 2004 bis Okt. 2004

Die Sanie­rung des Hau­ses A ist auch der Grund für die ver­spä­te­te 100-Jahr­fei­er, die mit einer glanz­vol­len Fest­wo­che zur Ein­wei­hung kom­bi­niert wur­de.

Neben der Gene­ral­sa­nie­rung ent­steht ein Fun­da­ment unter­richt­li­cher und außer­un­tericht­li­cher Akti­vi­tä­ten wie…

2006 ver­ab­schie­det sich Herr Dr. Ehr­hardt in den Vor­ru­he­stand und Herr Käm­pe wird neu­er Schul­lei­ter.